Diese Gesellschaft, gegründet im Dezember 2o14

Die Gesellschaft zur Erforschung der Nachträglichkeit weiß darum, dass die Praxis der Theorie immer zu spät kommt. Es wird daher zu keinem letzten Gefecht kommen, zu keiner Verkündigung einer Wahrheit der Theorie. Deshalb belehrt sie nicht darüber, wie die Welt sein soll, sondern versucht zu begreifen, wie sie so geworden ist. Die Gesellschaft befasst sich mit der Durcharbeitung, Traditionalisierung und Aktualisierung kritischer Gesellschaftstheorie, ohne dabei an ein Programm oder eine Schule gebunden zu sein.

Die Gesellschaft organisiert Vorträge, Diskussionen, Workshops und andere Zusammenkünfte, bei denen wesentliche Momente der Gesellschaftskritik diskutiert und für die emanzipatorische Praxis erschlossen werden.

Endlich wieder:

Zwei Assoziierte werden bald das entscheidende Werk Guy Hocquenghems wieder zugänglich machen und mit einem Nachwort versehen. Hocquenghem fordert ein neues Denken über Geschlecht, Begehren und Sexualität, jenseits binärer Schemata und des »ödipalen Dreiecks« der psychoanalytischen Theorie. Ein Denken, was sich also in Identitäten nicht einrichtet, sondern nach Klasse fragt.

Eine andere Arbeiter*innenbewegung I

Diese Woche wird intensiv. Mittwoch präsentieren wir gemeinsam mit dem MPZ Hamburg den Film "Luft zum Atmen. 40 Jahre Opposition bei Opel Bochum" in einer Hamburg-Premiere. Die Filmemacherin Johanna Schellhagen und der Gruppenmitbegründer Wolfgang Schaumberger werden anwesend sein, um über jene "Gruppe oppositioneller Gewerkschafter" zu sprechen, die die Rituale der Sozialpartnerschaft herausforderte und beispielsweise einen der wichtigsten wilden Streiks der deutschen Nachkriegsgeschichte 2004 organisierte. Hier gelang etwas, was zu erinnern und zu aktualisieren ist. 

Die nächsten Aufgaben des Erbes von 1968ff.

Nochmals „Theorie und Praxis“ 

oder die Frage nach dem Ganzen

Freitag, 7. Juni 2019 von 19:00 bis 22:00
Vorträge und Diskussionen mit Alexander Garcìa Düttmann (Universität der Künste Berlin) und Jan Müller (Universität Basel)

In den Extremen scheint alles ganz klar: Selbstverständlich ist ein blinder Aktionismus, der sich ganz und gar dem behutsamen Nachdenken verschließt, selbstverschuldet dumm; selbstverständlich ist ein Nachdenken, das sich ganz und gar gleichgültig gegenüber den Handlungserfordernissen des Lebens gibt, arrogant und selbstverschuldet irrelevant. Theorie ist auch praktisch, und Handeln gibt es nicht ohne Nachdenken. „Von 1968 lernen“ heißt: einsehen, dass es ein Missverständnis ist, das „Verhältnis von Theorie und Praxis“ für ein bloß theoretisches Rätsel zu halten, das mit praktischer Moral besser nichts zu tun haben sollte. Wer die Theorie der Praxis nur schroff entgegensetzt, dem müssen solche Rätsel entweder „zu theoretisch“ vorkommen, oder „zu praktisch“ (Adorno). 

Eine Revolution des Begehrens?

Vortrag und Diskussion am Freitag, den 26. April 2019 ab 19 Uhr mit Hauke Branding (Gesellschaft zur Erforschung der Nachträglichkeit Hamburg) und Lukas Betzler (Universität Lüneburg)

Für die LGBTI*-Bewegung hatte 1968 die Wirkung eines Katalysators, insbesondere durch die sich vollziehende umfassende Politisierung der sozialen Beziehungen und den folgenden gesellschaftlichen Liberalisierungsschub.  Begünstigt durch diese Entwicklung und noch zusätzlich befeuert durch die Stonewall-Riots von 1969 gründeten sich schon bald zahlreiche politische Gruppierungen, in denen Schwule und Lesben ihre Homosexualität offen leben und politisch für sie streiten wollten. Homosexuelles Begehren wurde (erstmalig) als eine subversive Kraft wahrgenommen, die die traditionellen Vorstellungen von Geschlecht und Liebe unterwandern und so die heteronormative bürgerliche Sexualmoral wenn nicht sprengen, so doch wesentlich stören und beunruhigen könne. Es entwickelten sich - auch in Abgrenzung von und als Kritik an der traditionellen Linken, in der Homophobie keineswegs selten war - radikale Formen homosexueller Theorie und Praxis. So wurde - zunächst insbesondere in Frankreich - das (homosexuelle) Begehren auch zu einem Dreh- und Angelpunkt kritischer Theorie, um den rege gestritten wurde, der jedoch im Laufe der Zeit allzu oft in Vergessenheit geraten ist.

Das papierene Erbe von 1968

Samstag, den 6. April 2019, 19 Uhr im mpz: Vorträge und Diskussion mit Morten Paul (August-Verlag Berlin) und Katharina Kreuzpaintner (Humboldt-Universität Berlin)

Vielfach wird 1968 auch als Taschenbuch-Revolution beschrieben. Es wird so als ein Ereignis gefasst, das auch ein Resultat veränderter Leseweisen, ein Ergebnis der Lust an der schwierigen Lektüre von  Theorie war. Die Suhrkamp-Kultur ist zu einem Ausdruck für die „Verwestlichung“ der Bundesrepublik geworden, ihre Reihen haben die Diskussionen um dieses Erbes massiv geprägt, wurden selbst zu dem Symbol für eine Intensivierung des Streits um Theorie. Aber nicht nur in den höchsten Höhen der Verlagshäuser wurde das Erbe von 1968 etabliert, sondern auch durch die vielen Raubkopierer*innen, die Schwarzmarkthändler*innen, Kollekitvbuchhandlungen und selbstorganisierten Verlagen, die anders arbeiten und streiten wollten. 


Was ist und warum betreiben wir kritische Paläontologie?

Hamburg, März 2019. Warum ausgerechnet wird ein Deinonychus antirrophus zum Wappentier dieser Gesellschaft gewählt, während es doch wesentlich angemessenere und geschichtlich überlieferte Wappentiere der Aufklärung oder der Gesellschaftskritik schon gibt? Denken wir an die »Eule der Minerva«, die Hegel gebraucht, um sein rekonstruktives Philosophieren zu bebildern, an den Maulwurf oder den Hahn, beides Tiere, die Marx verwendet, um die praktischen Schwierigkeiten des Vollzugs einer Gesellschaftskritik zu illustrieren. 

Veranstaltungsreihe »Das Erbe von 1968ff. Zum Verhältnis von Klassen- und Identitätspolitik«

Ab dem 23. Februar 2019 starten wir unsere Veranstaltungsreihe, 50 Jahre 1969, das Jahr, in dem unversöhnlich darüber gestritten wurde, was zu tun sei. In diesem Jahr war der Zerfall des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes nicht mehr zu stoppen, deutlich wurde das Vorherige kritisiert, so als ob die Neue Linke bereits veraltet sei. Die Rückkehr zu den Ursprüngen wurde proklamiert, eine unüberschaubare Menge an Parteien aufgebaut, oder die Entfaltung jener »antiautoritären Phase« in unterschiedlichen Basisgruppen eingeleitet. Das Erbe von 1968 entstand im Streit um es, ob mit ihm zu brechen sei oder ob es fortgeführt werden könnte. Diese Frage kehrt heute wieder: In den aktuellen Debatten um die Ohnmacht einer Linken angesichts des sogenannten »Rechtsrucks« wird darum gestritten, ob es das Erbe von 1968 sei, durch die Fokussierung auf Randgruppen, Minderheiten und die eigene Subkultur diesen Niedergang eingeleitet zu haben. Es wird wieder Partei für eine Klassenpolitik ergriffen, die nun endlich ihr geschichtliches Recht gegenüber den sogenannten Identitätspolitiken einzufordern habe. Streiten wir also darüber, ob diese komplexe Gemengelage nicht anders zu begreifen ist.

Was tun mit dem Erbe von 1968?

Aus Literaturkritik.de Dezember 2018: An dieser Stelle sei auf die Rezension eines Assoziierten hingewiesen, die sich mit zwei Werken zum Erbe von 1968 beschäftigt: mit der Neuauflage einiger Werke Rudi Dutschkes im Wagenbach Verlag und den autobiographischen Reflexionen Willi Jaspers, die unter dem Titel »Der gläserne Sarg. Erinnerungen an 1968 und die deutsche ›Kulturrevolution‹« bei Matthes & Seitz erschienen sind. Die Position unseres Forschungsprojektes, das Erbe von 1968 als ein Handgemenge darzustellen, indem es sich streitend zu halten gilt, wird dort an K-Gruppen und anderen undogmatischeren Positionen entfaltet.

Zum Verhältnis von Klassen- und Identitätspolitik

Essay zum Erbe von 1968ff, November 2018 – ausgehend von diesem Ereignis 1968, aber auch von den Wellen der Spaltungen, die bereits im Jahr 1969 losbrachen. Wenn es ein Jubiläum zu erinnern gilt, dann dieses Jahr, in dem sich die Neue Linke zerlegte.

Melancholie II

Eine Assoziierte hat ihren Artikel im Historisch-kritischen Wörterbuch des Marxismus abgeschlossen. Der Band im Stile der Marx-Engels-Gesamtausgabe ziert das Regal, aber ist auch entsprechend teuer. Eine etwas merkwürdige Quintessenz hat dieser Text daraus gezogen, aber er stiftet Aufklärung über diese linke Melancholie.


Freundliche Aufforderung zu einem Kolloquium

Alles neu macht der Mai 2018 – Seit gut zwei Jahren gibt es an der Universität Hamburg ein Kolloquium für kritische Theorie, das allen offensteht. Wir haben kein dogmatisches Verständnis davon, was kritische Theorie ist, sondern wollen in Diskussionen in Zweifel ziehen, was als solche gilt, und ergründen, probieren, wie sie sich vollzieht.

Kolloquium für kritische Theorie: Jeden ersten Sonntag im Monat wird es stattfinden. Es hat sich Anfang März 2016 konstituiert und trifft sich nun jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr. Bis auf Weiteres tagen wir im ›Pferdestall‹, Allende-Platz 1, auf dem Universitätscampus.

Weitere Interessent*innen sind gern eingeladen sich unter gesellschaftnachtraeglichkeit@gmail.com zu melden und Näheres zu erfahren.

Ein Kolloquium der kritischen Theorie!

Liebe Freund*innen kritischer Theorie,

durch die theoriepolitische Lage an den Universitäten und in der Publizistik sind alle, die an kritischer Theorie arbeiten, mehr oder weniger vereinzelt. Dagegen setzen wir – ein paar Personen in derselben Lage – die Gründung eines Kritische-Theorie-Kolloquiums in Hamburg. Wir wollen uns monatlich treffen, um uns gegenseitig unsere Projekte – seien es Qualifikationsarbeiten, Aufsätze oder längere Abhandlungen – vorzustellen und gemeinsam nachzudenken. Wir hoffen, durch (solidarische) Kritik an unseren Exposés, Entwürfen oder Textruinen Feedback zu bekommen und so unsere Versuche gegenseitig zu stützen, die als offene immer prekär sind.

Sprache der Kritik – Kritik der Sprache? Zur Sprachphilosophie kritischer Theorie 


Die Gesellschaft hat sich in den Jahren 2015 bis 2017 mit der Aufgabe auseinandergesetzt, was es bedeutet, eine kritische Theorie der Sprache  zu rekonstruieren. Es gibt vielfältige Versuche, eine solche Aufgabe zu lösen, ob nun mit Adorno und Benjamin oder mit Habermas und Wittgenstein. Wir haben unterschiedliche Probleme rekonstruiert. 

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